Workshop: Islamischer Feminismus – Eine Einführung aus transkult

Workshop: Islamischer Feminismus – Eine Einführung aus transkult
Samstag | 17. März 2018 | 10:00 Uhr


Fachhochschule Bielefeld, Raum A235 , 10 Uhr – 17 Uhr
fempo@fh-asta.de
Anmeldungen bis zum 16. März an fempo@fh-asta.de, max. 15 Personen

Ankündigung:
Die „Stellung der Frau im Islam“ ist ein kontroverses Dauerthema in den Medien, der Politik und in islamischen Communities. Während eine Reihe von Kritiker_innen den Islam in seinem „Wesen“ für die Unterdrückung der Frauen verantwortlich machen, verweisen andere auf historisch gewachsene – und damit auch prinzipiell veränderbare – patriarchale Strukturen und Denkmuster in islamisch geprägten Ländern, die zu der oft schwierigen Lage von Frauen beitragen.

Die Diskriminierung von Frauen, insbesondere der muslimischen Frauen, ist auch bei uns weit verbreitet, sie sind vielen Vorurteilen ausgesetzt und sie werden aufgrund ihrer zugeschriebenen Zugehörigkeit oft stigmatisiert. Oft wird Ihnen vermittelt, dass sie sich nur emanzipieren können, wenn sie auf Distanz zu ihrer Religion gehen, das Kopftuch ablegen und westliche Werte übernähmen.

In dieser Gemengelage ist es für islamische Feminist_innen nicht einfach sich Gehör zu verschaffen. Eine der zentralen Forderungen und Strategien islamischer Feminist_innen besteht in der Neuinterpretation, Kontextualisierung und emanzipatorischen Auslegung islamischer Quellen. Es geht ihnen darum die über Jahrhunderte verfestigten patriarchalen Lesarten des Islam aufzubrechen, in Frage zu stellen und eine anti-patriarchale Lektüre des Korans anzustoßen.

Sich in die Debatte um islamischen Feminismus einzumischen ist für Nicht-Muslim_innen und/oder westlich sozialisierte Menschen nicht unproblematisch, insbesondere wenn es sich noch um weiße Männer handelt. Nichts desto trotz gehen beide Referent_innen davon aus, das ein islamischer Feminismus (wie auch andere Feminismen) ein offenes Projekt sein sollte, zu dem auch Nicht-Muslim_innen einen Beitrag leisten können. So stellen sich für uns Fragen nach den Möglichkeiten und Grenzen solidarischer Unterstützung, wenn Muslim_innen in Deutschland und anderswo für ihre Rechte und ihre Selbstbestimmung kämpfen.

Wir halten es aber für genauso notwendig, die Gefahren zu reflektieren, die sich aus einer Beteiligung von Nicht-Muslim_innen an feministischen Islamdiskursen ergeben können. Dazu gehören sowohl die eigene Verstrickung in eurozentrische Sichtweisen auf den Islam als auch der Fortbestand kolonialer Denkmuster in westlichen Befreiungsdiskursen. So mutieren auch gut gemeinte feministische Diskurse schnell zu einem kolonialen Feminismus, wenn sie immer schon zu wissen meinen, was die richtigen Konzepte von Emanzipation, Gleichberechtigung und Befreiung sind.

Im Workshop sollen daher folgende Fragen fokussiert werden:

Was ist Islamischer Feminismus?
Welche Strömungen gibt es innerhalb des Islamischen Feminismus?
Welche Widersprüche und Fallstricke, aber auch Chancen ergeben sich aus der Beteiligung von Nicht-Muslim_innen am Diskurs des islamischen Feminismus?

Mit kurzen Inputs, Kleingruppen-Arbeiten und Reflexionsrunden wollen wir uns gemeinsam dem Thema nähern und in einen Austausch treten.

Referent_innen:
Arnd Richter, Pädagoge und Sozialwissenschaftler, Lehrbeauftragter an der Universität und der Fachhochschule Bielefeld, derzeitige Arbeitsschwerpunkte: Migrationspädagogik, Feminismus, Postkolonialismus, Kulturwissenschaften, Poststrukturalismus, Populismus und Neue Rechte.

Lâle Özışık, Pädagogin und Erziehungswissenschaftlerin, Lehrbeauftragte FH Bielefeld, wissenschaftliche Mitarbeiterin Universität Bielefeld, Vorstandsmitglied im Verein: Entschieden gegen Rassismus und Diskriminierung Bielefeld (EgRD), derzeitigen Arbeitsschwerpunkte: Migrationspädagogik, Feminismus und Frauengenerationen in der Migrationsgesellschaft, Menschenrechte (Kinderrechte, Frauenrechte, Behindertenrechte).